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Blütenpollen

Autor: David von Ostrowski

Blütenpollen: Entstehung, Nutzen und Wirkung

Blütenpollen sind einzigartige Produkte der Honigbienen. Menschen nutzen sie als Nahrungsergänzungsmittel in der Hoffnung, ihrer Gesundheit etwas Gutes zu tun. Wir erklären, was es mit den Blütenpollen auf sich hat und was die Wissenschaft zu ihrer Wirkung sagt.

Wie entstehen Blütenpollen?
Pflanzenpollen dienen eigentlich der Bestäubung und somit der Fortpflanzung von Samenpflanzen. Sie enthalten die männlichen Keimzellen. Einen Großteil der Bestäubung übernehmen Honigbienen. Sie fliegen von Blüte zu Blüte, um Nektar und Pollen zu sammeln. Die Pollen verfangen sich dabei im Haarkleid der Bienen. Auf diese Weise bringen die Insekten Pollen von der einen Blüte zur nächsten. Wenn der Pollen so zu den entsprechenden weiblichen Blütenteilen gelangt, war die Bestäubung erfolgreich und die Befruchtung kann beginnen. Einen Teil der Pflanzenpollen behalten die Bienen jedoch. Während sie sich putzen, vermischen sie etwas Nektar aus dem Honigmagen mit den noch in den Haaren hängenden Pollen. Dieses klebrige Gemisch kneten sie, bis daraus die als Blütenpollen bezeichneten Pollenklümpchen entstehen. Zum Transport schieben die Bienen die Blütenpollen an eine bestimmte Stelle ihrer Hinterbeine. Dort befinden sich kleine Vertiefungen, sogenannte Pollenkörbchen. Da diese gefüllt ein bisschen so aussehen, als würden die Bienen eine Hose aus Pollen tragen, werden sie auch Pollenhöschen genannt.

Welchen Nutzen haben Blütenpollen für Bienen?
Bienen sammeln Pollen nicht zufällig ein, sondern gezielt. Sie benötigen die Pollen nämlich als Nahrung für ihre Brut. Daher transportieren sie die Blütenpollen zum Bienenstock, wo andere Arbeitsbienen diese weiterverarbeiten. Gemischt mit Honig und Enzymen entsteht aus den Blütenpollen eine hochwertige Nahrung, die die Brut mit ausreichend Nährstoffen versorgt. Blütenpollen sind wesentlich reicher an Proteinen als Honig und enthalten zudem Kohlenhydrate, Fette, Mineralstoffe, Vitamine und andere wertvolle Inhaltsstoffe. Dadurch sind sie als Grundlage für die Brutnahrung unverzichtbar. Nektar beziehungsweise Honig dient aufgrund des hohen Zuckeranteils hingegen hauptsächlich als schneller Energielieferant für die erwachsenen Bienen und als Nahrungsvorrat für den Winter.

Warum und wie ernten Imker Blütenpollen?
Die besondere Zusammensetzung macht Blütenpollen auch für den Menschen interessant. Viele schwören auf einen gesundheitlichen Nutzen und verwenden das Bienenprodukt als Nahrungsergänzungsmittel. Deshalb ernten Imker einen Teil der von den Bienen eingebrachten Blütenpollen. Um an die Blütenpollen zu gelangen, stellen Imker Pollenfallen am Eingang des Bienenstocks auf. Wenn die Bienen mit ihren Pollenhöschen nach dem Sammeln in den Bienenstock zurückkehren, bleiben einige Blütenpollen in der Falle hängen und werden von einem Behälter aufgefangen. Diesen leeren Imker dann täglich, damit die Blütenpollen über Nacht keine Feuchtigkeit aufnehmen. Verantwortungsvolle Imker ernten selbstverständlich nur so viel, dass trotzdem noch genügend für die Ernährung der Brut übrig bleibt. Dazu lassen sie die Pollenfallen lediglich vorübergehend am Bienenstock angebracht.

Welchen Nutzen haben Blütenpollen für Menschen tatsächlich?

Der aktuelle Stand der Wissenschaft zur Wirkung von Blütenpollen
Ein paar wissenschaftliche Studien schlussfolgern, dass Blütenpollen vielleicht bei einigen Leiden hilfreich sein könnten. Dazu gehören Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Alterungsprozesse, Wechseljahrbeschwerden, Wunden und Erkrankungen der Prostata.4-8 Allerdings stützen sich manche Studien lediglich auf Laborversuche und andere beziehen sich nicht auf die Einnahme von Blütenpollen, sondern auf einen daraus gewonnen Extrakt oder ein Gemisch aus Blütenpollen mit weiteren Zutaten. Aussagekräftig sind diese Studien also nicht und dienen höchstens als Hinweis. Ebenso können Studien bislang nicht hinreichend belegen, dass Blütenpollen als Nahrungsergänzungsmittel die allgemeine Gesundheit fördern können.

Haben Blütenpollen Nachteile?

Die genaue Zusammensetzung von Blütenpollen ist äußerst unterschiedlich. Sie hängt schließlich stark davon ab, von welchen Pflanzen die Pollen stammen. Dementsprechend ungewiss ist bei der Verwendung von Blütenpollen, was man da tatsächlich einnimmt. Einerseits können lediglich sehr wenige wertvolle Inhaltsstoffe enthalten sein, sodass eine gesundheitsfördernde Wirkung erst recht nicht zu erwarten ist. Andererseits können die Blütenpollen mit giftigen Substanzen belastet sein. Dazu zählen nicht nur Pestizide und andere vom Menschen ausgebrachte Umweltgifte, sondern auch in manchen Pflanzen natürlich vorkommende Stoffe.9 Deshalb ist es empfehlenswert, Blütenpollen ausschließlich beim Imker seines Vertrauens zu kaufen, der sie selbst geerntet hat und ungefähr weiß, wo seine Bienen sammeln. Es gibt auch einige Online-Shops die naturbelassene Blütenpollen aus kontrolliertem Anbau verkaufen, beispielsweise Beegut. Darüber hinaus sollten Pollenallergiker keine Blütenpollen zu sich nehmen und nicht versuchen, ihre Allergie damit eigenhändig zu therapieren. Das Risiko für unkontrollierbare und gefährliche allergische Reaktionen ist zu groß. Menschen, die auf bestimmte Medikamente angewiesen sind, sollten ebenfalls vorsichtig sein. Blütenpollen könnten nämlich mit einigen Medikamenten wie beispielsweise Blutverdünnern wechselwirken.10

Fazit
Blütenpollen sind für die Nachkommen von Bienen überlebenswichtig, da sie ihnen wertvolle Nährstoffe liefern. Ob das natürliche Bienenprodukt auch einen fördernden Effekt auf die Gesundheit des Menschen hat, ist bislang wissenschaftlich nicht ausreichend belegt. Es gibt lediglich ein paar Hinweise für einen gewissen Nutzen, wobei allerdings unerwünschte Nebenwirkungen ebenfalls nicht auszuschließen sind.

Quellen
1. Antonelli et al. (2019) Therapeutic efficacy of orally administered pollen for nonallergic diseases. An umbrella review. Phytother Res 33 (11): 2938-2947.
2. Denisow et al. (2016) Biological and therapeutic properties of bee pollen. a review. Journal of the Science of Food and Agriculture 96 (13): 4303-4309.
3. Margaoan et al. (2019) Bee Collected Pollen and Bee Bread: Bioactive Constituents and Health Benefits. Antioxidants 8 (12).
4. Munstedt et al. (2015) Bee pollen and honey for the alleviation of hot flushes and other menopausal symptoms in breast cancer patients. Mol Clin Oncol 3 (4): 869-874.
5. Kocot et al. (2018) Antioxidant Potential of Propolis, Bee Pollen, and Royal Jelly. Possible Medical Application. Oxid Med Cell Longev 2018: 7074209.
6. Georgiev et al. (2004) Effects of an herbal medication containing bee products on menopausal symptoms and cardiovascular risk markers. results of a pilot open-uncontrolled trial. MedGenMed 6 (4): 46.
7. Kurek-Górecka et al. (2020) Bee Products in Dermatology and Skin Care. Molecules (Basel, Switzerland) 25 (3).
8. Duclos et al. (2007) Current treatment options in the management of chronic prostatitis. Ther Clin Risk Manag 3 (4): 507-512.
9. Kostic et al. (2020) The Application of Pollen as a Functional Food and Feed Ingredient-The Present and Perspectives. Biomolecules 10 (1).
10. Hurren et al. (2010) Probable interaction between warfarin and bee pollen. Am J Health Syst Pharm 67 (23): 2034-2037.

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